Kohl und Blüm
22. Dezember 2007 von SG
In der F.A.Z. vom Freitag fand sich eine Rezension von Hans-Peter Scharz zum neuesten Band der Kohl-Memoiren. Darin heißt es:
Doch gewinnt der Leser generell den Eindruck, dass sich Kohl nach den ernüchternden Erfahrungen mit Blüm [...] selbst die Frage stellt, weshalb er diesen Minister 16 Jahre lang schalten und walten ließ.
Ich finde das ziemlich klar. Offensichtlich gab es in der CDU einen Parteiflügel, der Blüms sozialen Kurs unterstützt hat, so dass dieser (als einziger Minister unter Kohl) über 16 Jahre Sozialminister war. Kein Kanzler kann einen seiner Minister selbstherrlich entlassen, ohne massiven Ärger mit seiner Partei/Fraktion zu bekommen. Und Kohl konnte 16 Jahre lang Kanzler bleiben, eben weil er es verstand, die personalen und inhaltlichen Wünsche der verschiedenen Flügel und Landesverbände der Union gleichermaßen zu erfüllen. Abgesehen davon ist es für die Union auch immer notwendig gewesen, das Soziale nicht der SPD zu überlassen, um Wahlen gewinnen zu können. Heute macht Rüttgers den Blüm. Die Kunst besteht aber darin, die innerparteiliche Uneinigkeit nicht als Streit, sondern als Vielfalt darstellen zu können. Da gibt es bei Merkel und Rüttgers wohl noch Verbesserungspotential…
Aber zurück zu Hans-Peter Schwarz’ Rezension: Ich finde derartige Aussagen in großen Tageszeitungen immer sehr ärgerlich. Der Leser nimmt als Eindruck mit, dass der Kanzler die Minister nach eigenem Gutdünken aussuchen und auch wieder nach Hause schicken kann.
veröffentlicht am 22. Dezember 2007 um 11.22 Uhr
in Kategorie: Blüm, Norbert (CDU), CDU/CSU, Kohl, Helmut (CDU)

Ich verfolge die Kohl-Memoiren-Rezensionen nicht mehr seit dem letzten auszugsweisen Abdruck in der FAZ, in welcher der Altkanzler seinen Vorgänger Willy Brandt posthum zum Christdemokraten zu machen versuchte.
Kommentar von niels | zeineku.de — 22. Dezember 2007 @ 22:08