Gegen die Wand: Politikamateure Ypsilanti & Beck
7. März 2008 von SG
Fassen wir einmal ganz kurz zusammen, was in Hessen seit Januar passiert ist. Zunächst hat die SPD bei den Wahlen zwar stark dazugewonnen, ist aber (sehr) knapp nicht stärkste Partei geworden. Dass Ypsilanti dieses Ergebnis trotzdem als Wahlssieg verkaufen würde, war klar und ist auch nicht verwerflich. Dann hat Ypsilanti sich zu einer Rot-rot-grün-Koalition entschlossen, nachdem die FDP für die Ampel offensichtlich nicht zu haben war. Zwar hat sie vor der Wahl behauptet, so etwas nie und nimmer machen zu wollen, aber gut: Mehrheit ist Mehrheit, und Hessen muss von irgendwem regiert werden.
Soweit ist Ypsilantis Verhalten zwar - wegen des Wortbruchs - politisch riskant, aber rational nachvollziehbar: Die Frau möchte in Hessen an die Macht, um endlich politisch gestalten zu können. Das kann man keinem Politiker vorwerfen, solange es innerhalb der von der Verfassung vorgesehenen Bahnen erfolgt.
Vollkommen irrational ist hingegen die Umsetzung des Plans. Ypsilanti und Kurt Beck sind erst an die Öffentlichkeit gegangen und haben dann im SPD-Vorstand über die Linkskoalition geredet. Daraufhin hat die SPD in der Öffentlichkeit ein vollkommen zerrissenes Bild abgegeben, so dass niemand weiß, wo dieses taumelnde Schiff hindriftet - für Wähler nicht gerade eine attraktive Vorstellung.
Und zuletzt hat Ypsilanti offenbar mit den Abgeordneten ihrer Fraktion im hessischen Landtag geredet und festgestellt, dass zumindest eine Abgeordnete (Dagmar Metzger) auf keinen Fall einer Koalition mit der Linkspartei zustimmen wollte.
Es hätte nur noch gefehlt, dass sich Ypsilanti trotz dieses Gegenwindes aus den eigenen Reihen im Landtag zur Wahl stellt und in bester Simonis-Manier nicht die notwendige Mehrheit zusammenbekommt.
Ansonsten hat sie (zusammen mit Beck) so ziemlich alles getan, was notwendig war, um der SPD einen bleibenden Schaden zuzufügen.
veröffentlicht am 7. März 2008 um 16.19 Uhr
in Kategorie: Beck, Kurt (SPD), Hessen, Politische Führung, SPD, Ypsilanti, Andrea (SPD)

Der Schaden begann mit der sturen Festlegung gegen die Linkspartei. Alles andere waren zwangsläufige Folgen, für die die SPD und ihre Akteure bitter bestraft wurden. Und so wird es wohl weitergehen. Die Agendapolitiker werden nicht ruhen, bis die SPD das Zeitliche segnet. Es sei denn, es haut mal einer auf den Tisch. Mehr:
http://www.blogsgesang.de/2008/03/07/spd-steht-immer-noch-am-scheideweg/
Kommentar von blogsgesang — 7. März 2008 @ 17:04
[...] sebastiangalka.de ff. (Es hätte nur noch gefehlt, dass sich Ypsilanti trotz dieses Gegenwindes aus den eigenen Reihen im Landtag zur Wahl stellt und in bester Simonis-Manier nicht die notwendige Mehrheit zusammenbekommt. Ansonsten hat sie (zusammen mit Beck) so ziemlich alles getan, was notwendig war, um der SPD einen bleibenden Schaden zuzufügen.) [...]
Pingback von Blogschau zu Ypsilanti-Fiasko: » — 7. März 2008 @ 19:43
“Ansonsten hat sie (zusammen mit Beck) so ziemlich alles getan, was notwendig war, um der SPD einen bleibenden Schaden zuzufügen.”
Und ich denke sich selbst haben die beiden auch nicht unerheblich geschadet. Die Stones werden zur Zeit wahrscheinlich klammheimlich jubilieren.
Kommentar von Niels — 7. März 2008 @ 23:08
@Niels: Jein. Auch die Stones können kein Interesse daran haben, dass die SPD in Umfragen bei 25 Prozent liegt.
Kommentar von SG — 8. März 2008 @ 12:25
Trackback (manuell):
Blogschau zu Ypsilanti-Fiasko:
http://www.magnusbeckerblog.de/blogschau-zu-ypsilanti-fiasko/
Kommentar von Mag — 8. März 2008 @ 16:44
Trifft den Nagel auf den Kopf. Ganz gleich, wie man inhaltlich zur SPD (und ihren verschiedenen Flügeln) steht: Handwerklich war das, was Ypsilanti und Beck in den letzten Wochen geboten haben, einfach nur peinlich und einer großen Volkspartei absolut unwürdig.
Wenn sich die SPD VOR der Wahl zur Linkspartei hin öffnet, finde ich das per se nicht verwerflich. Allerdings wird sie das nie tun, weil sie dann in der Mitte der Gesellschaft wichtige Prozentpunkte verliert. Insofern ist das Vorgehen von Beck und Ypsilanti keinesfalls nur mangelnde Weitsicht, sondern vielmehr Strategie (wenn das so nennen mag …).
Kommentar von Stefan Weber — 8. März 2008 @ 23:46
[...] an die Öffentlichkeit ging oder sogar gehen musste, lag im Kern daran, dass Ypsilanti hochgradig unprofessionell agiert hat. Wenn Ypsilanti erst in ihrer Fraktion den Plan, eine Linksregierung zu bilden, [...]
Pingback von sebastiangalka.de » Freies Mandat und Fraktionszwang / Fraktionsdisziplin — 16. März 2008 @ 13:57